Ich erinnere mich noch gerne an diese tolle Kurswoche, die ich durchs Institut für Kreatives Schreiben Freiburg erleben durfte.
Hier noch ein paar der Texte, die sich jenseits meiner üblichen Fantasy-Pfade bewegen:
Text aus der Perspektive eines Alltagsgegenstands:
Ich liege gefaltet bei den anderen. Wie viele unter mir, wie viele über mir sind, wer weiß. Manchmal verschwindet einer von uns, wird gepackt von der großen Hand von oben, aufgefaltet und… Ja, das ‚und‘ weiß niemand von uns so genau. Es gehen darüber nur Gerüchte um, was so alles passieren kann, wenn man zu oberst liegt und die Hand nach einem greift. Schlimme Schicksale und welche, die ein wenig Hoffnung spenden. Ich weiß, dass wir benutzt werden und dann weggeworfen. Ich habe oft genug die anderen zerknüllt neben uns liegen sehen, feucht manchmal dreckig, aber auf seltsame Weise schienen sie alle zufrieden, jetzt nicht mehr warten und bangen zu müssen, sondern ihren Zweck erfüllt zu haben. Wieder wird jemand von ganz oben genommen. Jetzt kann ich zählen, drei, vier sind es noch, dann liege ich oben auf. Wofür werde ich benutzt werden? Es ist kalt und grau draußen, vielleicht werde ich nur einmal für einen Schnupfen gebraucht und dann sofort mit Ekel weggeworfen, dreckig und voller Keime, wie ich dann sein werde. Oder vielleicht weint jemand und mir wird die Ehre zuteil, Tränen zu trocknen. Ich habe gehört, dass es nicht nur traurige Tränen gibt, sondern auch Tränen der Freude – was für eine herrliche Vorstellung, daran teilhaben zu dürfen! Das muss das höchste Glück sein. Wieder wird einer von uns genommen, noch drei vor mir. Die Angst steigt in mir hoch. Was, wenn ich nur verwendet werde, um ein verschüttetes Getränk aufzuwischen, nur weil keine Lappen in der Nähe ist? Nein, sage ich mir. Ich bin kein Lappen, ich bin zu höherem bestimmt. Und ich warte geduldig. Nur noch zwei vo mir…
Rondell-Gedicht:
Die Wiese grün, die Straße rauscht.
Der Wind schon kalt, weht ohne Laut.
Im Busch allein nur eine Meise.
Die Wiese grün, die Straße rauscht.
Der Regen kommt und duftet schon.
Die Wiese grün, die Straße rauscht.
Der Wind schon kalt, weht ohne Laut.
(c) A. M. Amberg, 2024
