Ein Hoch Hass auf künstliche Intelligenz! Ich denke, das ist, was vielen Kreativ- und Textschaffenden innerhalb der letzten zwei Jahre durch den Kopf gegangen ist. Wegen Schreckensmitteilungen, auf ganze Berufszweige in Zukunftverzichten zu können, Existenzängsten und Ausweitung von schon immer mangelnder (finanzieller) Wertschätzung von kreativer Arbeit, haben viele die eine oder andere Seite in der Debatte eingenommen. Manche meinen, dass sich das mittelfristig schon geben wird und die Qualität menschlicher Arbeit immer der KI voraus sein wird. Andere haben Wege gefunden haben, KI in den kreativen Prozess zu integrieren, zum Beispiel als Brainstorming-Tool. Wieder andere lehnen auch nur das Ausprobieren und herumspielen mit einer KI völlig ab.
Bevor ich mich in meine Meinung zu KI vertiefe, möchte ich vorwegnehmen, dass ich kein tieferes Verständnis von Programmieren etc. habe, und mir wahrscheinlich auch jede Erklärung zu einem Ohr rein und zum anderen wieder hinaus gehen würde. So, da dass aus dem Weg ist: ich lehne KI für den kreativen Prozess ab. Daher auch meine Meinung: KI steht für mich für „kopieren und imitieren“ – oder für „keine Intelligenz“. So reproduziert KI letztlich lediglich bestehende Inhalte und fügt sie zusammen, ohne jede Angabe von Quellen und Rücksicht auf Urheberrechte. In den generischen Ergebnissen eines Auftrags an eine KI ist kein Raum für „glückliche Unfälle“ („happy accidents“ nach Bob Ross) oder diese wunderbare Explosion im Kopf, die so süchtig macht (ähnlich wie „connecting the dots“ nach Amanda Palmer).
Kurz: Wir haben das Gegenteil der uralten Utopie geschaffen: Wir dachten, dass der technische Fortschritt uns dahin führt, dass lästige, schwere oder gefährliche körperliche Arbeit von Robotern übernommen werden, damit die Menschheit sich dem Schönen im Leben widmen kann. Ironischerweise haben wir den Maschinen nun die Arbeit am Schönen überlassen und schlagen uns noch immer mit denselben Herausforderungen des Alltags herum.
Nach dieser langen Einleitung möchte ich nun zu meinem eigentlichen Beitrag kommen: wie Queerness und Fantasy zu KI passen. Es ist ein bekanntes Problem, dass KIs von der breiten Masse der Beiträge im Internet lernen, wo sich Menschen durch Anonymität nicht von ihrer besten Seite zeigen, und KI dadurch durchaus rassistisch sein kann. Das spiegelt sich auch in der Fantasy wieder. Mir hat sie bisher nichts als klassische High-Fantasy-Mittelalter-Märchen-Settings ausgespuckt und obwohl sie nie queerfeindlich ist, sind meiner Meinung nach oft Tropes mit sehr stereotypen Anklängen zu finden. Hier möchte ich nun ein paar Beispiele teilen. Ich muss allerdings anmerken, dass sich die Ergebnisse seit meinem allerersten Ausprobieren 2023 und dem Schreiben dieses Artikels schon gebessert haben.





Ergebnis: Eine queere Identität oder Orientierung kann nur in einer Love Story existieren (außer für non-binary Personen?), der aber auch immer Hindernisse im Weg stehen müssen. Causal queerness hat keinen Platz in KI. Das habe ich für diese spezifischen Prompts gegengetestet und die identifizierenden Adjektiv (queer, non-binary, lesbian, gay…) weggelassen. Dann geht es plötzlich meistens um Freundschaft und wenn überhaupt gegen Ende gibt es ein (natürlich heterosexuelles…) Paar. In der Vagheit der Tropes (die natürlich auch Fantasy und Romance geschuldet sind, z.B. „star crossed lovers“) lässt sich böswillig aber auch eine heteronormatives Weltverständnis herauslesen (siehe oben „forbidden love“, „closeted“, „choose between duty and love“). Diese Formulierungen wiederholen sich innerhalb einer KI sehr oft (wenn ich jemals wieder den „beacon of hope“ lesen muss, dann wird jemand dafür büßen). Das hier stellt natürlich keine quantitative Analyse dar, doch hoffe ich, die Tendenz dargestellt zu haben, dass diese Plots sich alle sehr ähneln und jeder einzelne Lesende dieses Artikels bestimmt schon originellere Ideen hatte.
Was meint ihr? Lese ich durch meine KI-Ablehnung zu viel in diese Texte hinein? Seid ihr auch schon mal über einen KI-generierten Text gestolpert? Habt ihr durch KI schon mal eine tolle Idee gehabt oder eine Geschichte geschrieben? Lasst mich in den Kommentaren wissen, was ihr denkt.

Ein Kommentar zu “KI und Queer Fantasy”