Unbekanntere Fantasy-Empfehlungen

Wenn ich zum ersten Mal bei neuen Bekannten zuhause bin, schaue ich mir immer das Bücherregal an. Es gibt Bücher, die ich bei allen meiner Freund*innen und generell bei anderen Fantasy-Liebhaber*innen unserer Generation gefunden habe: Kindheitsbücher und „Einstiegsdrogen“ wie Tintenherz, Eragon und Harry Potter und dann die Bücher, die uns den nächsten Schritt in fremde Welten geführt haben, Herr der Ringe, Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär und die Scheibenwelt-Romane. Es ist schön, sofort ein Gesprächsthema zu haben, sich verbunden zu fühlen und sich auf diese Weise besser kennenzulernen.

Aber die meisten haben auch Bücher im Regal, von denen ich noch nie gehört habe. Bücher, die für sie schon immer da waren, die für sie selbstverständlich sind, Bücher, die in keiner Buchhandlung mehr stehen und vielleicht seit 20 Jahren nicht mehr aufgelegt wurden. Kurz: Bücher, die ich hier als „unbekanntere Fantasy“ bezeichne.

Einmal auf den Gedanken gekommen und von fremden Regalen inspiriert, habe ich versucht eben solche Empfehlungen zu finden. Viele davon z.B. auf Good Reads sind aber von einer hohen Aktualität und eben auch Popularität geprägt. Vielversprechender war ein Reddit-Thread zu ebendiesem Thema, von dem ich ein paar Büchern nachgegangen bin, nur um zu entdecken, dass manche dieser Bücher so gut wie nicht mehr zu haben sind.

Aber ist das nicht der Traum eines jeden Bücherwurms? Einen Glücksfund in einem Tauschbücherschrank oder Antiquariat zu machen, ein Buch, das niemand kennt und bei dem man vor Spoilern geschützt ist? Ein Buch, das sich wie ein selbstgefundener Schatz anfühlt, den man Stückchen fürs Stückchen ans Licht bringt, weil man nicht von modernem Cover und Marketing in eine gewisse Erwartungshaltung gedrängt wurde?

Bei ein paar Büchern hatte ich dieses Erlebnis und möchte es teilen. Die Bücher im ersten Teil der Liste (Empfehlungen) besitze und liebe ich und möchte sie jedem Fantasyliebhaber ans Herz legen, im zweiten Teil (Leseliste) findet ihr Bücher, die ich lesen will und entweder schon in meine Hände gefallen sind oder ich sie noch suche.

Unbekanntere Fantasy, meine Empfehlungen (hoffentlich bald noch eine längere Liste):

  • Shardik – Richard Adams : Der Autor von Unten am Fluss (das mit den Kaninchen) hat auch ein Buch über einen Bären geschrieben – so habe ich mehrfach versucht dieses Buch zu erklären. Aber es ist so viel mehr als das. Es ist eine vollständige Fantasywelt (low/no magic), in der das Auftauchen eines einzelnen, wilden Bären von Menschen als Wiederkehr des Bärengottes Shardik gedeutet wird und seine unberechenbare Wildheit als der unergründliche göttliche Wille verstanden wird, was zu einem epischen Roman über Krieg, Religion, Politik und Gewalt führt. Das Buch war mein Bücherschrank Glücksfund 2023 und ich denke immer noch darüber nach.
  • Gormenghast – Mervyn Peake : Obwohl die Gormenghast-Reihe in Großbritannien mit einem Fernsehmehrteiler und einer Oper (!) adaptiert wurde und dementsprechend einige Fans haben muss, habe ich noch nie jemanden in Deutschland darüber sprechen hören. Gormenghast ist ein Schloss, das in einem scheinbaren Nichts liegt, das Leben darin festgefahren in seinen Ritualen und Zeremonien, deren Sinn niemand mehr kennt, die Grafenfamilie distanziert und skurril wie Dickens’sche Figuren. Nach zwei genialen Bänden unter anderem um den Küchenjungen Steerpike, der an die Spitze dieser Gesellschaft aufsteigt, endet die Reihe mit einem dritten, nie vollendeten Band. Aber Band 1 und 2 haben mich zutiefst in meinem Fantasyverständnis geprägt (siehe meine Chroniken-Reihe) und sind einer der wenigen Vertreter des Subgenres Fantasy of Manners.
  • Lady Trents Memoiren – Marie Brennan : Der erste Band dieser wunderbaren Reihe, Die Naturgeschichte der Drachen, lockt mit einer anatomischen Zeichnung eines Drachen. Die namensgebende Drachenforscherin reist in jedem Band ein anderes Land und entdeckt andere Drachenarten, es gibt einen großen Plot, der alle Bände zusammenhält und man liebt das Abenteuer im Stil eines Memoirs auf jeder Seite. Obwohl die Bücher noch sehr aktuell sind und leicht erhältlich, habe ich sie noch bei niemandem zuhause gesehen und brauche dringend jemanden, mit dem ich über meinen Hass auf den letzten Band und den enttäuschenden Ausgang der Reihe jammern kann.

Unbekanntere Fantasybücher auf meiner Leseliste:

  • Es kamen drei Damen im Abendrot – Peter S. Beagle : Hier war es der Titel, der mir auf einem Werbeflyer, der als Lesezeichen in einem anderen Buch lag, entgegengeflattert ist und mich nicht mehr verlassen hat. Ich konnte es noch gut gebraucht finden, da der Autor des Letzten Einhorns nach dem Filmerfolg wohl noch mehrfach übersetzt und aufgelegt wurde.
  • Maia – Richard Adams : Ja, noch mehr aus der Welt von Shardik und dem Beklanischen Reich. Im Deutschen in 4 Bände geteilt wird die Geschichte der jungen Maia, die sich unfreiwillig in den Betten und als Spionin der Mächtigsten wiederfindet. Ich habe gerade den ersten Band angefangen, und bin noch nicht so begeistert wie von Shardik. Wir werden sehen.
  • Lady Cottingtons geheimes Elfentagebuch – Terry Jones : Ein absolut herrlich absurdes Konzept, das großformatige Buch ist wie ein Sammelalbum, in das mit Hand geschrieben wurde gestaltet. Was darin gesammelt wird? Wie von einem ehemaligen Monty Python zu erwarten wird es hier etwas makaber: gepresste Elfen. Ich habe früher zwar nicht die Buchreihe, aber das Begleitbuch zu den Spiderwick-Geheimnissen geliebt und erwarte mir hier eine etwas weniger jugendfreundliche Mischung aus Magie und schwarzem Humor.

Was sind die unbekannteren Fantasybücher in euren Regalen? Was sind eure Glücksfunde und Lieblingsbücher, die keiner kennt? Welches Fantasybuch müssen mehr Leute lesen? Ich bin gespannt auf eure Empfehlungen und Tipps!

KI und Queer Fantasy

Ein Hoch Hass auf künstliche Intelligenz! Ich denke, das ist, was vielen Kreativ- und Textschaffenden innerhalb der letzten zwei Jahre durch den Kopf gegangen ist. Wegen Schreckensmitteilungen, auf ganze Berufszweige in Zukunftverzichten zu können, Existenzängsten und Ausweitung von schon immer mangelnder (finanzieller) Wertschätzung von kreativer Arbeit, haben viele die eine oder andere Seite in der Debatte eingenommen. Manche meinen, dass sich das mittelfristig schon geben wird und die Qualität menschlicher Arbeit immer der KI voraus sein wird. Andere haben Wege gefunden haben, KI in den kreativen Prozess zu integrieren, zum Beispiel als Brainstorming-Tool. Wieder andere lehnen auch nur das Ausprobieren und herumspielen mit einer KI völlig ab.

Bevor ich mich in meine Meinung zu KI vertiefe, möchte ich vorwegnehmen, dass ich kein tieferes Verständnis von Programmieren etc. habe, und mir wahrscheinlich auch jede Erklärung zu einem Ohr rein und zum anderen wieder hinaus gehen würde. So, da dass aus dem Weg ist: ich lehne KI für den kreativen Prozess ab. Daher auch meine Meinung: KI steht für mich für „kopieren und imitieren“ – oder für „keine Intelligenz“. So reproduziert KI letztlich lediglich bestehende Inhalte und fügt sie zusammen, ohne jede Angabe von Quellen und Rücksicht auf Urheberrechte. In den generischen Ergebnissen eines Auftrags an eine KI ist kein Raum für „glückliche Unfälle“ („happy accidents“ nach Bob Ross) oder diese wunderbare Explosion im Kopf, die so süchtig macht (ähnlich wie „connecting the dots“ nach Amanda Palmer).

Kurz: Wir haben das Gegenteil der uralten Utopie geschaffen: Wir dachten, dass der technische Fortschritt uns dahin führt, dass lästige, schwere oder gefährliche körperliche Arbeit von Robotern übernommen werden, damit die Menschheit sich dem Schönen im Leben widmen kann. Ironischerweise haben wir den Maschinen nun die Arbeit am Schönen überlassen und schlagen uns noch immer mit denselben Herausforderungen des Alltags herum.

Nach dieser langen Einleitung möchte ich nun zu meinem eigentlichen Beitrag kommen: wie Queerness und Fantasy zu KI passen. Es ist ein bekanntes Problem, dass KIs von der breiten Masse der Beiträge im Internet lernen, wo sich Menschen durch Anonymität nicht von ihrer besten Seite zeigen, und KI dadurch durchaus rassistisch sein kann. Das spiegelt sich auch in der Fantasy wieder. Mir hat sie bisher nichts als klassische High-Fantasy-Mittelalter-Märchen-Settings ausgespuckt und obwohl sie nie queerfeindlich ist, sind meiner Meinung nach oft Tropes mit sehr stereotypen Anklängen zu finden. Hier möchte ich nun ein paar Beispiele teilen. Ich muss allerdings anmerken, dass sich die Ergebnisse seit meinem allerersten Ausprobieren 2023 und dem Schreiben dieses Artikels schon gebessert haben.

Prompt: Transcharakter in einer matriarchalen Fantasywelt.
Prompt: Urban Fantasy mit einer lesbischen Hexe
Prompt: Fantasy mit Dämonen und Engeln und queeren Charakteren
Prompt: Fantasywelt mit Drachen und einem schwulen Prinzen
Prompt: High Fantasy mit einem magischen Baum und non-binary Charakter

Ergebnis: Eine queere Identität oder Orientierung kann nur in einer Love Story existieren (außer für non-binary Personen?), der aber auch immer Hindernisse im Weg stehen müssen. Causal queerness hat keinen Platz in KI. Das habe ich für diese spezifischen Prompts gegengetestet und die identifizierenden Adjektiv (queer, non-binary, lesbian, gay…) weggelassen. Dann geht es plötzlich meistens um Freundschaft und wenn überhaupt gegen Ende gibt es ein (natürlich heterosexuelles…) Paar. In der Vagheit der Tropes (die natürlich auch Fantasy und Romance geschuldet sind, z.B. „star crossed lovers“) lässt sich böswillig aber auch eine heteronormatives Weltverständnis herauslesen (siehe oben „forbidden love“, „closeted“, „choose between duty and love“). Diese Formulierungen wiederholen sich innerhalb einer KI sehr oft (wenn ich jemals wieder den „beacon of hope“ lesen muss, dann wird jemand dafür büßen). Das hier stellt natürlich keine quantitative Analyse dar, doch hoffe ich, die Tendenz dargestellt zu haben, dass diese Plots sich alle sehr ähneln und jeder einzelne Lesende dieses Artikels bestimmt schon originellere Ideen hatte.

Was meint ihr? Lese ich durch meine KI-Ablehnung zu viel in diese Texte hinein? Seid ihr auch schon mal über einen KI-generierten Text gestolpert? Habt ihr durch KI schon mal eine tolle Idee gehabt oder eine Geschichte geschrieben? Lasst mich in den Kommentaren wissen, was ihr denkt.

Lesetipps: Queer Fantasy

Wie bereits angekündigt, will ich hiermit meinen Beitrag zu den vielen Leseempfehlungslisten rund um queere Fantasy beisteuern. Ich gliedere die Bücher in drei Gruppen:

  1. Queer Fantasy Lesetipps (selbstgelesen, empfohlen)
  2. Queer Fantasy Leseliste (auf meiner Liste, noch nicht gelesen)

Disclaimer: Ich weiß noch von vielen Büchern mehr, habe hier aber nur gelistet, was ich selbst gelesen habe oder auf meiner Bücherwunschliste steht:

Queer Fantasy Lesetipps

  • Nimona (Graphic Novel): noch besser als der Film, Queerness vor allem in Themen.
  • The Winter Duke: kurze, kleine Fantasywelt, Queerness in Bezug auf Genderrollen und lesbisches Main-Pairing.
  • Tea Dragon Society (Graphic Novel Serie): Cozy Cottage Core Fantasy mit kleinen Teedrachen, die man zuhause haben möchte.
  • Mordred, Bastard Son: Artussagen-Version, die leider nie fortgesetzt wurde, in der einer queerer Mordred seine eigene Geschichte erzählt.
  • The Mermaid, the Witch and the Sea : Piratenfantasy, von der wir viel zu wenig haben, queeres Paar, leider etwas zu trauriges Ende.
  • Once & Future : Sci-Fi Artussage, die hier einfach dazu musste; alle sind queer, es macht Spaß, es ist im Weltraum und es gibt einen zweiten Band!!
  • The Priory of the Orange Tree : habe es gelesen, weil viele es erwähnen, habe ich es hier dazugenommen. Meiner Meinung nach etwas viel Plot, der dann sehr plötzlich vorbei ist, lesbisches Paar.
  • Good Omens : subtil, nie ausgesprochene Queerness, die die Basis für die Fortsetzung in der Fernsehserie legt.
  • A Charm of Magpies Reihe: Historical Fantasy und Gay Romance (im Sinne von Spice Romance), seid gewarnt, aber die Welt und Fantasy drum herum sind auch in sich selbst ein Buch wert.

Queere Fantasy, die ich selbst noch nicht gelesen habe

  • Urban Fantasy goes Queer: Kurzgeschichten-Sammlung, auf die ich mich sehr freue
  • Girl Serpent Thorn : stand lange auf meiner Liste und liegt jetzt schon lange auf meinem Lesestapel
  • The Watchmaker of Filigree Street : hier dabei, weil ich dafür einen Re-Read brauche, um es nochmal neu zu bewerten. Ich habe damals mit falschen Erwartungen gelesen und möchte noch eine Chance geben.

Was ich beim Schreiben dieser Liste gemerkt habe, ist, dass es gar nicht so viel queere Fantasy in meinem Regal gibt, wie ich gerne hätte. Ich habe z.B. Vier Farben der Magie außen vorgelassen, weil ich hier eher von queeren Nebencharakteren sprechen würde (und das Buch mich jetzt nicht so umgehauen hat, wie es hätte können).

Was steht bei euch im Regal? Stimmt ihr meinen Empfehlungen und Einschätzungen zu? Was könnt ihr mir empfehlen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

    Was ist queere Fantasy?

    Beim Vorstellen meiner kreativen Arbeit habe ich festgestellt, dass ich keine feste Definition für das parat hatte, was ich mir auf mein Banner geschrieben habe. Was ist genau ist denn queere Fantasy?

    Wenn man den Begriff googelt, stößt man erstmal auf viele Listen mit Leseempfehlungen und – meiner Meinung nach auffallend – noch keinen Wikipediaeintrag und kaum einen anderen Artikel, der das Genre beschreibt. Es ist also schneller in die Buchläden und unsere Bücherwurmfinger gekommen als wir eine Definitionsgrenze abstecken konnten. Und das ist auch gut so, denn queer und Schubladen, das passt nicht zueinander.

    Kurz gesagt: Queere Fantasy (oder Queer Fantasy oder auch LGBTQIA+ Fantasy) wird Fantasyliteratur genannt, in der queere Themen und/oder Charaktere vorkommen. Damit ist mehr gemeint als das Auftreten eines einzelnen z.B. homosexuellen Nebencharakters. Romance wird ja auch nicht plötzlich queer, nur weil die Protagonistin einen schwulen besten Freund hat und wir dann trotzdem nur Hetero-Romance und Spice bekommen.

    Um die unterschiedlich inklusiven Abkürzungen rund um LGBTQIA+ zu vermeiden, bezeichne ich hier als queer alles, was von Heteronormativität abweicht, ob Charaktere oder Narrative. Als queere Person kannte ich das Bedürfnis nach Repräsentation, ohne dass Trauma, Drama und Coming-Out im Fokus einer Geschichte stehen, bereits bevor ich versucht habe, meine eigene Orientierung in Worte zu fassen. Ich wollte queere Figuren sehen, aber ihre Geschichten, die gerade in Jugendbüchern oft „alltägliche“ Teeniestories um erste Liebe und meistens auch Mobbingerfahrungen sind, fand ich uninteressant. Das hat immerhin bereits begonnen, sich zu ändern. Auch die Fantasy, die immer mehr aus ihren von Epen, Märchen und vor allem von Herr der Ringe ausgetretenen Bahnen abweicht, erfüllt diesen Wunsch.

    Warum passen queer und Fantasy so gut zu einander? Neben dem der Fantasy immer schon zugeschriebenen Eskapismus (d.h. „Wirklichkeitsflucht“ z.B. durch Medien, die fern vom eigenen Alltag und Problemen sind; Bücher, in die man sich hineinflüchten will), bietet Fantasy noch andere Aspekte, die sie für queere Lesende attraktiv macht. Fantasy schafft eigene Welten, die ohne Vorannahmen und kulturelle, bzw. gesellschaftliche Wertungen unserer Gegenwart und Vergangenheit auskommen. Nichts hindert einen Schreibenden daran, gleichgeschlechtliche Liebe zur Normalität in einer erfundenen Gesellschaft zu machen oder zu etablieren, dass die auserwählte „saviour“ Figur in dieser Welt nur eine Transperson sein kann. (Warum so viel Fantasy immer auf das europäische, christlich geprägte Mittelalter zurückgreift, ist ein anderes Thema…) In der Fantasy ist so viel Raum für die Aufhebung von Rollen und Begriffen, die in einer anderen Welt vielleicht nie entstanden wären. Gleiches gilt übrigens auch für Sci-Fi, aber darüber darf gerne jemand anderes sprechen 😉

    Abgesehen vom Einsatz von queeren Charakteren, kann queere Fantasy auch auf einer metaphorischen Ebene geschehen und durch bestimmte Narrative oder Codes queere Leser ansprechen. Man denke an, die Merlin – Die neuen Abenteuer -Serie, die von 2008 bis 2012 von BBC produziert wurde, in der seine zu versteckende und strafbare Magie zur Metapher für Homosexualität wird. Ein ähnliches Gefühl von Verständnis und „Ankommen“ in einer fantastischen Welt erfüllt die Harry-Potter-Serie von einer Autorin, deren Name nicht genannt werden darf. Der junge Zauberer Harry findet sich plötzlich in einer Welt, in der er magische Gaben hat, akzeptiert, beliebt und reich ist und aus dem Staunen erstmal nicht herauskommt und Freunde fürs Leben findet. Damit erfüllen sich im ersten Band natürlich die Sehnsüchte eines ungeliebten und misshandelten Kindes, aber zugleich oder umso mehr auch der queeren Erfahrung (z.B. beim ersten Eintauchen in die Community). Wer hat sich noch nie eine Welt gewünscht, in der unsere Queerness uns mächtig macht oder Zugang zu geheimen Wissen und Welten gewährt, die anderen verborgen bleiben? Oft geschieht dies auch über Tropes, zum Beispiel Found Family (z.B. The Witcher oder Once upon a time (vor allem Fanfiction)) und Gestaltwandler (Nimona), die „body dysmorphia“ ein Ding der Vergangenheit machen.

    Ich werde mich in nächste Zeit noch anderen Themen widmen, zum Beispiel: meinen Empfehlungen zum Schreiben und meinen Lesetipps zu queerer Fantasy, meine eigenen Queerfantasy-Bücher (und Texte) und bestimmt noch vielem mehr…

    Zum Abschluss noch ein Disclaimer: Was ich hier zusammengefasst habe, ist meine Meinung und mein Selbstverständnis als Autorin, keine wissenschaftliche Abhandlung. Ich bin gespannt, wie andere Lesende und Schreibende den Begriff verstehen, nutzen und bewerten.

    Ich freue mich auf eure Kommentare, Meinungen und Empfehlungen rund um Queer Fantasy! Bis bald!

    Trefft das Fabelfüchslein!

    Trefft das Fabelfüchslein! Dieses seltene Fabeltier ist aus einer Schreibübung heraus entstanden:

    „Fabelfüchslein schlüpfen aus Enteneiern, die von einem Regenbogen ausgebrütet wurden. Da das relativ selten vorkommt, kann das schon mal ein paar Jahrhunderte dauern, bis ein neues Fabelfüchslein das Licht der Welt erblickt. Fabelfüchslein haben einen Fuchskörper und -kopf, den typischen buschigen Fuchsschwanz, große Entenpaddelfüße und weite Schwingen mit schillernden Federn in allen Farben des Regenbogens. Wenn es schlüpft, watschelt es erst einal ganz unbeholfen zur nächsten Wasserfläche und sucht sich ein Seerosenblatt, um sich darauf aus Schlif und Blütenblättern ein buntes Nest zu bauen. In seine ersten Lebensjahr übt es fleißig mit den Flügeln zu flattern – oft schaut es sich das ganze bei befreundeten Libellen ab – und erhebt sich schließlich aus seinem Nest, um die Welt zu erkunden. Fabelfüchslein sind besonders von farbenfrohen Dingen, zum Beispiel Konfetti , Buntstiftsammlungen oder Zuckerstreuseln angezogen. Sie ernähren sich von Freude und suchen deshalb schöne Orte und kreative Menschen auf, denen sie gerne beim Spinnenfangen in der Wohnung oder bei Farbkleckse machen helfen. Fabelfüchslein werden ungefähr daumengroß und bleiben, wenn sie ausgewachsen sind, oft für lange Zeit bei einzelnen Personen – insbesondere Künstlern. Noch weiß man nichts über ihre Lebensdauer, aber es wird vermutet, dass sie bis zu 100 Jahren alt werden, bevor sie in einen Regenbogen fliegen und darin verschwinden.“

    Lesen und lesen lassen 9 – „Unten am Fluss“ von Richard Adams

    Nachdem ich mich letztes Jahr in das unbekanntere Werk „Shardik“ verliebt habe, musste ich den Klassiker wieder zur Hand nehmen. Ich wusste auch schon damals, dass die Kaninchen-Saga nicht für Kinder gedacht war und kannte den Zeichentrickfilm, der schwere Kost für Kinder ist. Jetzt wollte ich mit einer neuen Perspektive lesen: Ist Watership Down epische Fantasy? Ja und nein, es besitzt alle Elemente, den Propheten, das Abenteuer, die finale Schlacht und die reiche und fremde Kultur der Kaninchen – und doch nur ganz am Ende eine phantastisches Element. Wichtig: Besorgt euch eine Ausgabe mit Index der Kaninchensprache. 5 out of Fiver.

    Texte aus der ersten Woche Schreibpädagogik 3/3

    Hier ein letzter Post mit Texten aus dem Schreibpädagogik-Kurs.

    Form zeichnen und füllen (Blume):

    Ein Text ist wie eine Blume. Er beginnt mit einem Ideensamen, der auf fruchtbare Erde fällt. Im Dunkeln wartet er und brütet über die Idee in sich und wartet auf ein wenig Sonnenschein und Regen. Dann geht alles ganz schnell. Das Grün bricht aus der Erde, die ersten Sätze schreiben sich wie von selbst, die Keimblätter recken sich in den Himmel. Der Stiel streckt sich zum Licht empor. Man schreibt und schreibt und der Text wird länger und Wörter füllen die Seiten, doch irgendetwas ist noch nicht fertig und etwas fehlt und man weiß noch nicht, was. Unfertig schaut der Autor aufs Blatt und starrt auf die Knospe der Blume und weiß noch nicht, wie er enden soll. Noch ein wenig Geduld, ein Spaziergang an frischer Luft und die Blüte entfaltet sich. Sie verströmt ihren Duft und lockt Hummen und Schmetterlinge an. Der Autor tritt einen Schritt zurück und betrachtet die Blume zufrieden. Der Text ist fertig.

    Text zu einem Sprichwort schreiben:

    „Und man kann alles fragen?“ Zweifelnd blickte der Prinz auf die dunklen Stämme der Bäume. Zwischen ihnen war nichts zu erkennen. Der Bär an seiner Seite nickte.
    „Es ist ein Zauberwald. Er weiß alle Antworten.“
    „Nun gut“, sagte der Prinz. „Dann will ich es versuchen.“
    Er wusste, dass Zauber und Magie trickreich waren und einem, wenn man nicht vorsichtig war, einen Fluch auf den Hals jagen konnten. Deshalb nahm er sich seine Zeit, seine Worte weise zu wählen. Als er seine Frage formuliert hatte, zögerte er dennoch. Er kam sich albern vor, mit einem Haufen Bäume zu sprechen. Er wandte sich an den Bären.
    „Kannst du es mir vormachen?“
    Der Bär grummelte in sich hinein, aber dann stellte er sich auf seine Hintertatzen, legte die Pranken wie einen Trichter vor seine Schnauze und rief:
    „Lieber Wald, dürfen wir dir bitte eine Frage stellen?“
    Die gewaltige Stimme des Bären hallte zwischen den Bäumen wider, bis das Dunkel sie schließlich verschlang. Der Prinz wollte sich gerade über den Bären lustig machen, da vernahm er eine Antwort. Wie hunderte Stimmen und keine zugleich flüsterte der Wald zu ihnen.
    „Ja, lieber Bär, sehr gerne.“
    Davon ermutigt tat der Prinz es dem Bären gleich. Er legte seine Hände als Trichter vor den Mund, trat einen Schritt vor und – – – stolperte über eine Wurzel.
    „Scheiße! Blöder Baum, warum musst du da auch rumstehen?!?“, fluchte der Prinz und rappelte sich aus dem Moos und Matsch auf. Bevor er sich besinnen und seine eigentliche Frage stellen konnte, kam bereits eine Antwort.
    „Dummer Prinz, der Baum kann dir nicht ausweichen, aber mach nächstes Mal deine verdammten Augen auf, verflixt nochmal!“

    (c) A. M. Amberg 2024

    Texte aus der erste Woche Schreibpädagogik 2/3

    Ich erinnere mich noch gerne an diese tolle Kurswoche, die ich durchs Institut für Kreatives Schreiben Freiburg erleben durfte.

    Hier noch ein paar der Texte, die sich jenseits meiner üblichen Fantasy-Pfade bewegen:

    Text aus der Perspektive eines Alltagsgegenstands:

    Ich liege gefaltet bei den anderen. Wie viele unter mir, wie viele über mir sind, wer weiß. Manchmal verschwindet einer von uns, wird gepackt von der großen Hand von oben, aufgefaltet und… Ja, das ‚und‘ weiß niemand von uns so genau. Es gehen darüber nur Gerüchte um, was so alles passieren kann, wenn man zu oberst liegt und die Hand nach einem greift. Schlimme Schicksale und welche, die ein wenig Hoffnung spenden. Ich weiß, dass wir benutzt werden und dann weggeworfen. Ich habe oft genug die anderen zerknüllt neben uns liegen sehen, feucht manchmal dreckig, aber auf seltsame Weise schienen sie alle zufrieden, jetzt nicht mehr warten und bangen zu müssen, sondern ihren Zweck erfüllt zu haben. Wieder wird jemand von ganz oben genommen. Jetzt kann ich zählen, drei, vier sind es noch, dann liege ich oben auf. Wofür werde ich benutzt werden? Es ist kalt und grau draußen, vielleicht werde ich nur einmal für einen Schnupfen gebraucht und dann sofort mit Ekel weggeworfen, dreckig und voller Keime, wie ich dann sein werde. Oder vielleicht weint jemand und mir wird die Ehre zuteil, Tränen zu trocknen. Ich habe gehört, dass es nicht nur traurige Tränen gibt, sondern auch Tränen der Freude – was für eine herrliche Vorstellung, daran teilhaben zu dürfen! Das muss das höchste Glück sein. Wieder wird einer von uns genommen, noch drei vor mir. Die Angst steigt in mir hoch. Was, wenn ich nur verwendet werde, um ein verschüttetes Getränk aufzuwischen, nur weil keine Lappen in der Nähe ist? Nein, sage ich mir. Ich bin kein Lappen, ich bin zu höherem bestimmt. Und ich warte geduldig. Nur noch zwei vo mir…

    Rondell-Gedicht:

    Die Wiese grün, die Straße rauscht.
    Der Wind schon kalt, weht ohne Laut.
    Im Busch allein nur eine Meise.
    Die Wiese grün, die Straße rauscht.
    Der Regen kommt und duftet schon.
    Die Wiese grün, die Straße rauscht.
    Der Wind schon kalt, weht ohne Laut.

    (c) A. M. Amberg, 2024

    Aufbruch zur Buchmesse!

    Ich bin morgen früh auf dem Weg auf die Frankfurter Buchmesse. Drückt mir die Daumen, dass die Deutsche Bahn mitspielt. Ich bin den ganzen Samstag und Sonntag dort.

    Auf Instagram werde ich ein paar Eindrücke teilen. Hier aber schon Mal vorab mein Messeoutfit 🙂