Wie manche von euch vielleicht wissen, mache ich eine Weiterbildung als Schreibpädagogin. Die erste Woche ist jetzt vorbei und ich freue mich schon auf ein halbes Jahr Austausch mit der Gruppe und auf das Wiedersehen in der zweiten Woche im April 2025.
Viele Übungen haben wir selbst ausprobiert, „Learning by Doing“ wie man so schön sagt. Hier will ich einige selbstgeschriebene Texte, die in diesem Kontext entstanden sind und sich etwas von meinen üblichen vollständigen Geschichten unterscheiden, vorstellen.
Zuerst ein paar 1-Satz-Übungen und Prompts:
„Am Anfang jedes Kunstwerks steht eine Tasse Tee, ein bisschen Genuss und ein unmöglicher Plan, der trotzig umgesetzt wird.“
„Erinnerungen sind kleine Mosaiksteine, denn sie setzen sich zu dem bunten, großen Ganzen zusammen, das ich bin.“
„Was, wenn meine Buntstifte nicht ausreichen, um mir dir Zukunft auszumalen?“
„Das Leben schreibt die besten Geschichten und der Tod liest sie gerne.“
Durch meine Weiterbildung zur Schreibpädagogin habe ich eine Vielzahl von Schreibfluss-Fördermethoden selbst ausprobieren dürfen und eine hat es mir besonders angetan: die Blackout-Poetry. Was hat es damit auf sich?
Blackout ist Englisch und bedeutet „Stromausfall“, und hier eher „schwärzen“ und darum geht es bei Blackout Poetry: ein vorhandener Text wir bis auf wenige Wörter geschwärzt, zum Beispiel mit einem dicken schwarzen Filzstift, und die resultierenden Wörter geben der Seite einen neuen, oft poetischen oder humoristischen Sinn.
Wie geht Blackout Poetry? Folgende Methode haben wir im Kurs angewandt.
Material: Buch Kopierer/Scanner Bleistift Schwarzer, dicker Filzstift
Schritt 1: Kopiere eine oder mehrere beliebige Seiten aus einem Buch, am besten reine Textseiten, denn diese enthalten mehr Wörter und geben eine größere Auswahl. Direkt in Bücher zu markern finde ich unnötig und verschwenderisch. Wenn man unbedingt will, kann man zum Beispiel ein sowieso schon angegriffenes Buch aus einem Tauschbücherschrank dafür verwenden und dann nicht nur eine Seite, sondern das ganze Buch für
Schritt 2: Nimm einen Bleistift zur Hand und gehe die Seite durch, umkreise Wörter, die dich dabei besonders anspringen. Dabei hilft es, die Seite nicht aufmerksam zu lesen, sondern eher zu betrachten und zu überfliegen.
Schritt 3: Jetzt beginnt der Spaß! Schau, was die Wörter dir sagen, ob sich eine Bedeutung, ein Satz, ein Impuls in deinem Kopf formt. Je nach dem, ob Blackout Poetry dir liegt, ist dieser Schritt entweder der Moment, in dem die meditative Entspannung einsetzt oder ein Frustmoment, weil sich kein grammatikalischer Satz bilden lässt…
Schritt 4: Erst jetzt wird der dicke, schwarze Filzstift gezückt und alles, was nicht gebraucht wird, geschwärzt. Das kann man in graden Lininen, in Kritzeln oder in geschwungenen Spiralen machen oder sogar ein ganzes Bild daraus entwerfen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!
Hier ist mein allererster Versuch aus „Tintenherz“ von Cornelia Funke. Falls es etwas schwer zu lesen ist, hier einmal ausgeschrieben.
So ein Buch, silbrig grün. So hell, klar und rot. So viele Buchstaben. So gewiss war das Buch eine Tür.
Die dritte moderne Mythennacherzählung des Jahres und es bildet sich ein Muster heraus: Originaltreue vorhanden, auch wenn das an manchen Ecken sperrige oder sich nur ungewöhnlich ins realistisch-detailreiche Erzählen fügende Situationen hervorruft und das kann ich respektieren. Schade, dass die – obwohl im Fokus stehende – Schwesternbeziehung von Ariadne und Phaedra es nicht in den Titel geschafft hat und hervorheben könnte, was dieses Buch besonders macht: das Zusammenfügen von einzeln erzählten Mythen, die sich aber zeitgleich zugetragen haben könnten. Ähnlich wie bei Fry wird Saints griechische Sagenwelt dadurch greifbarer und gewinnt an Lebendigkeit. 8/10 Opferziegen für Dionysos, meinen „problematic fave“.
ein wenig habe ich meine Pläne angepasst und war nun lange in der Vorbereitung – jetzt ist es so weit: Der erste Band der Jugendfantasy-Reihe Deorum Et Hominum:Das Ragnarök-Rätsel erscheint am 1. Oktober 2024 als Print-On-Demand und E-Book und wird über alle üblichen Plattformen, Onlineshops und den regulären Buchhandel erhältlich sein. Vorbestellungen sind leider nicht möglich.
Wer trotzdem nicht abwarten will, kann hier das erste Kapitel lesen.
Lieben Dank an alle Probeleser und die Illustratorin Louise Galstyan, die meinem Projekt ein Buchcover gegeben hat!
Da ich einmal vergessen habe zu posten – und anscheinend gerade langsam lese, heute zwei 100-Wort-Reviews in einem Post:
Dicke Artussagenromane, die ich in Second-Hand-Kaufhäusern finde, sind ja mein Hobby. Erwarte ich hohe Literatur? Nein. Hier war diese Erwartung angemessen: Das Buch liest sich wie ein typischer Historienroman mit aus der Zeit gefallenen (aka zu modernen) Protagonistin. Vom Stil und Genre her kann ich nichts bemängeln, es liest sich leicht und kam mir beim Lesen nicht langatmig vor. Trotzdem meine Kritik: Obwohl das Love Interest Sir Gawain ist und das Motiv des Grünen Ritters sehr früh aufkommt, wird die Sage zugunsten der Romance im letzten Viertel (?) des Buchs abgehandelt. 4/10 Schwertern, weil es einfach nicht mein Genre ist.
Was könnte ich an „National Treasure“ Stephen Fry kritisieren? Denn obwohl ich bisher keinen von seinen Romanen mochte, sind Mythos, Heroes und Troy wahre Schätze, die mit Humor, kurzweilig und korrekt griechische Mythen neu erzählen und gelegentlich in den Fußnoten um sprachliche und kulturelle Details ergänzen. Man fühlt sich so, als würde Fry direkt zu einem sprechen und man hat seine Stimme im Ohr, wenn er gewisse „Helden“ nicht ganz so glorreich dastehen lässt. Eine Moral liest sich für den modernen Leser leicht heraus: Krieg ist, wenn niemand gewinnt. 10/10 Holzpferden für eine Zusammenfassung der Ilias, die jeder lesen sollte.
Ein leicht zu lesendes Piratenabenteuer, das ich natürlich lesen musste, weil „queer“ und „Piraten“ im selben Satz erscheinen. In den gefährlichen Gewässern der Piraten-Tropes umschifft das Buch einige und entwickelt Konzepte, denen ich hier zum ersten Mal begegnet bin (Blut von Meerjungfrauen, die schwebenden Inseln und die See als göttliche Entität). Alles fügt sich genau im richtigen Tempo zu einem großen Ganzen zusammen, das die magische Kraft der Geschichten zum Leben erwachen lässt. Bonus für den umgangenen Trope der „pirates who don’t do anything“. Flora/Florian und Evelyn mochte ich, kamen aber nicht an Ophelia und Thorn heran. 8/10 Gläsern Meerjungfrauenblut.
Im zweiten Anlauf habe ich alle vier Bände am Stück durchgelesen. In den ersten Band (Die Verlobten des Winters) war ich schon beim ersten Lesen verliebt. Die Welt der Archen ist originell, charmant und hat dieses gewisse Etwas, Haptik, surrealen Witz und eine fremdvertraute Welt, deren vielschichtigen Geheimnis man mit Ophelia und Thorn immer näherkommen möchte, koste es, was es wolle. Ich gebe nur ungern zu, dass ich erstmal nur vom Cover angelockt war und – zu meiner eigenen Überraschung – für die Romance geblieben bin (was bei mir selten vorkommt). 9/10 Familiengeistern , weil es mir in Bd.4 zu metaphysisch wurde.
Schönes Cover, dickes Buch, Drachen – was könnte schiefgehen? Nicht viel. Ich komme oft schwere in anderer Leute High Fantasy Welten hinein und hier war ich absolut begeistert, wie sich die Welt und die Hintergrundgeschichte um „Gegenteile“ herum aufbauen – Feuer und Wasser, Westen und Osten, Drachen und Lungs (sie hießen nicht so) und dabei auf Kulturen unserer Welt zurückgreift. Die Vergangenheit der Welt möchte man einfach ergründen wie die Charaktere selbst. Hier die einzige Kritik. Erst im letzten Drittel des Buchs wissen alle genau, was sie tun sollen und tun es dann auch. Fast etwas zu schnell. 8/10 Früchte vom Orangenbaum.
Als bekennender Ibbotson-Fan – ja, Kinderbücher UND Historical Romances – ein Muss auf der Leseliste. Gut, dass es verhältnismäßig viele Übersetzungen gibt, die ich mir nach und nach auf Flohmärkten zusammensammeln kann. Wie immer ein herrlich ironischer Erzählton, ein einfacher Stil und skurrile Charaktere in vielfältigen Handlungssträngen, die zum Ende hin sehr befriedigend zusammengeführt werden. Dieses Buch ähnelt in vielen Elementen anderen Kinderbüchern von Ibbotson: die Bösen sind böse, sehr britisches/schottische Setting, sehr vernünftige Kinder als Hauptcharaktere, aber die wahren Stars sind die Geister. 10/10 Dudelsacklakritze für den klassischen Ibbotson-Ton. Immer gut, eine Autorin zu haben, auf die man sich verlassen kann.